Samstag, 7. September 2013

Von Seoul nach Nadi....

Hong  bringt mich mit dem Auto zur Bushaltestelle, ich muss keine 2 Minuten warten bis er kommt.
5 Minuten später, an einer  Ampel,  steht der Fahrer auf, geht durch den ganzen Bus und prüft, ob die 3 Fahrgäste auch den Gurt umgelegt haben. Er kehrt an seinen Platz zurück und dreht sich kurz vorher noch einmal um. Die Hände in weissen Handschuhen werden aneinander gelegt, an die Oberschenkel gedrückt, und dann folgt eine tiefe  Verbeugung vor uns 3 Fahrgästen, begleitet von einem Satz, den ich leider nicht verstehe. Vielleicht wünscht er uns allen eine gute Fahrt. Nun geht es ab in den Stau Richtung Flughafen.
Heute ist es in Seoul diesig und stickig, ein guter Tag, um es zu verlassen.


Spektakel am Flughafen...


 

Der Flug von Seoul nach Nadi war gut, etwas unruhig, aber ich hatte einen Sitzplatz vor der Wand mit Beinfreiheit, konnte meine Haxen hochstrecken und habe auch geschlafen. 
Wir flogen mit einem A330, diese ist doch deutlich kleiner, älter und weniger komfortabel als der A380 mit dem ich von Frankfurt nach Seoul geflogen bin. 
Die Crew von Korean Air war allerdings in beiden Maschinentypen gleich umsichtig, freundlich, geduldig, empfehlenswert, die Haarknoten  sauber aufgespießt und die Halstücher akkurat gebunden. 

Beim Vorwärtsschieben der Essenswagen im Flugzeug gehen die Stewardessen aufrecht. Die Tour rückwärts mit dem leeren Wagen wird zu meinem Erstaunen nur tief gebeugt erledigt. Ab und zu erfolgt ein kurzer Halt, ein Blick nach oben, und dann geht es rasch weiter rückwärts im Bücklingsgang. 

In Seoul  ist es jetzt fast 7, auf Fiji bei der Ankunft fast 10, da ist der Zeitunterschied nicht so dramatisch . Meine Pillenrationen und Augentropfen habe ich mir schon einverleibt. Nachdem ich mir früher deswegen immer viel zu viele Gedanken gemacht habe, halte ich mich jetzt daran, was ich einmal als Empfehlung las :  Medikamente sofort nach der neuen Zeit einnehmen, nicht lange Rumeiern . Klare Ansage, wird gemacht.
Sitze jetzt auf dem Flughafen in Nadi/Fiji herum. 


Die Begrüssung erfolgt mit fröhlicher Musik, dann kommen die strengen Kontrollen. Erdnüsse und dergleichen werden angeblich nach Laune des Kontrolleurs konfisziert. Bei meinen am Flughafen in Seoul erstandenen Nüssen wurden beide Augen zugedrückt, an die im Koffer liegenden restlichen, mit getrockneten Früchten gemischten habe ich gerade nicht gedacht. 
Bereits im Einreiseformular wird speziell auch danach gefragt. Getrocknete Früchte sind  extra vermerkt als anzumeldende und nicht einzuführende Waren, genau wie Wurst, Fleisch und wilde Tiere.
Drakonische Strafen werden angedroht , wenn man es wagt...   
Ich werde mein Studentenfutter im Hotel lieber schnell verschlingen. 
Der Transfer zum Hotel verzögert sich, es wird noch auf einen anderen Gast gewartet.
So trinke ich meinen ersten Café Latte am Airport von Nadi und beobachte die Leute. 

Interessant finde ich die sehr unterschiedlichen Kleidungsstücke besonders der Männer. Habe nun schon verschiedene Rocksorten an ihnen entdeckt, wobei mir ein weißer, wadenlanger (aber das sind sie wohl immer), mit großen Zacken am Saum am besten gefiel.
Jetzt fangen gut 3 Wochen Südseeurlaub an. Vielleicht kann ich ja so tief entspannen hier, dass ich nichts mehr zum Bloggen habe. Wer weiß???
Es ist fast ein wenig kühl hier, trüb, der Himmel ist grau. Zum Eingewöhnen ist das o.k., vielleicht bin ich auch nur übermüdet.

Ich geniesse erst einmal mein großes Zimmer, halte ein Mittagsschläfchen, ordne
meine Koreanotizen und gehe dann an der Strand.



Dass dies hier nicht der schönste Strand meines Urlaubs sein wird, ist mir zum Glück klar. 


In Nadi steigen die meisten Leute nur für eine Nacht ab, und entsprechend hoch sind auch die Preise. Ich habe 3 junge Mädchen kennengelernt, sie schlafen im selben Hotel wie ich, das auch ein Hostel hat, in einem engen kleinen Schlafsaal mit mehreren Betten und müssen dafür 38 US $ zahlen -  pro Person und Nacht!


Einige Leute schaukeln in der Hängematte,  andere nehmen einen Drink am kleinen Pool, während am Strand ein Mann hoch zu Ross sein 2. Pferd für einen Ritt am Strand anpreist, tragen junge Leute flache Boote ins absolut ruhige Wasser.
   
Es wird schnell dunkel, kurz nach 18 Uhr ist es soweit. Dann werden nebenan am Strand Lichter auf den Tischen angezündet, junge Leute fangen an zu singen, trommeln und auf Gitarren zu spielen und haben ein Lagerfeuer angezündet. Auf dem Meer entdecke ich zahlreiche Fischerboote, die zur Nacht ausgelaufen sind.
Ich nehme mein Abendessen zu mir, einen Salat mit Tiefseefisch und Knoblauchbrot. Es ist ok, aber kaum gewürzt und schmeckt mehr nach Kalb als nach Fisch.
Die 3 Abiturientinnen an meinem Tisch stochern müde in ihrem Essen herum, 2 kommen aus Deutschland, eine aus Finnland. Sie sind angereist, um eine 3- monatige  Freiwilligentätigkeit in einer Grundschule auf einer entfernten Insel anzutreten, wo sie Englisch unterrichten werden. Alle 3 haben mindestens 25 Flugstunden hinter sich und sind völlig kaputt. Da bin ich mit meinen gut 10 Stunden von Seoul doch gut dran.
Nun mache ich es mir im Zimmer wieder bequem. 

Die Abendwache an der kleinen Rezeption hat ein relativ gross gewachsener, schlanker, älterer Einheimischer, der mir gefällt. Er trägt ein dunkelblaues Kostüm mit Jackett mit quietschegelbem Herrenhemd, in das 2 Kugelschreiber wie Haarclips eingesteckt sind und einen wadenlangen Rock, 2 Muschelketten um den Hals, 1 Hibiskusblüte zwischen dem Bügel der Hornbrille und dem krausen Haar. Seinen Mund zieren grosse Zähne, in der oberen und unteren Reihe glänzt jeweils der 2. Zahn durch Abwesenheit.
Beim Abschreiten der kleinen Eingangshalle trägt er ständig seine wichtigen Unterlagen in einer Mappe bei sich. Er ist sehr nett und erklärt mir gleich, dass ich zur Fahrt nach Nadi lieber den Bus für 1 Fiji- Dollar, statt das Taxi für 10 Dollar nehmen soll. Recht hat er, da kann ich doch glatt lieber mehr Internetzeit kaufen, die es hier nicht geschenkt gibt. 

Keiner hingegen kann mir erklären, wie ich das teuer erstandene Ticket zum Internetbetrieb meines iPads in Funktion setze. Da hilft auch die Umstellung auf Betrieb in Englisch nichts. In meinem Zimmer ist keinerlei Signal zu empfangen und in der Lobby ist auch der Wurm drin.
Der einzige junge Gast, der noch auf ist, zeigt sich zwar sehr interessiert, sein erster Satz allerdings lautete: "Sorry, I am very drunken". Entsprechend verlaufen seine Versuche.


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